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Jahresbericht 2000

Wangen, Oktober 2000

Liebe Vereins-Freunde,
liebe und sehr geehrte Freunde
und Förderer der Schiffer-Gilde,

zum Höhepunkt der Saison wurde die Doppelschiffstaufe am 29.Juli 2000 im Bregenzer Sportboothafen. Zur Freude über die beiden zusätzlichen Schiffe kam die Freude über die gut gelungene Feier. Unsere Vereinsschriftführerin ließ ihr Organisationstalent spielen und besorgte von ihrem Lindauer Segelverein Neptun- und Nixenkostüme, in die sich B. B., H. G. und K. M. stecken ließen. B. würzte seine Neptunrede mit manchem Geistesblitz und umwerfender Komik und ließ sich eine Menge ausgefallener Prüfungsfragen an die Vorstandsmitglieder und die Taufpaten einfallen, die unsere Zwerchfelle strapazierten. Auch die beiden schicken Nixen hielten Reden, und mancher hätte sich von ihnen gerne noch mehr nass machen lassen. Wir konnten einen Bregenzer Stadtrat begrüßen, den Präsidenten des Ruderklubs Wiking, der uns dankenswerterweise seine Bootsanlegestelle zur Verfügung stellte, die Inhaber der Werft, von der wir die neue Yacht erworben haben, und nicht zuletzt den Wirt vom Gasthof Lamm. Mit etwa 80 Vereinsmitgliedern und Freizeitgästen waren wir insgesamt fast 100 Teilnehmer an diesem schönen Fest, das von einem prächtigen Kuchenbuffet gekrönt wurde, für das wir uns bei Familie O. vom Theatercafe Lindau herzlich bedanken. Herzlichen Dank an alle Helfer, guten Geister und Spender, die die Taufe so gut gelingen ließen!

Unser Dank gebührt natürlich auch U. V. und K. L., die das Ehrenamt der Paten übernahmen. K. meisterte seine Aufgabe gewohnt lässig und humorvoll und beeindruckte durch eine Formel-1-klassige Sekt-Fontäne, als er der Dehler Duetta den Namen "Commodore" verlieh. Bei den vielen Namensvorschlägen, für die wir uns bei Euch allen bedanken, fiel uns die Wahl nicht leicht. Es wurde uns rasch klar, dass der Name der schönen Duetta an unseren Reinhart Auel erinnern muss, der unvergessen und lebendig in unserer Erinnerung steht. Da Reinhart nie persönliche Ehrungen wollte, entschlossen wir uns, vom oft gewünschten Namensvorschlag "Reinhart" abzusehen und Reinharts ironisch-liebevoll gebrauchten Spitznamen "Commodore" auszuwählen. In diesem Namen steckt das herzliche Dankeschön, das wir Reinhart Auel schulden, und der Wunsch, dass uns seine Sportlichkeit und sein Engagement für Behinderte vor Augen bleiben. Natürlich ist "Commodore" ein sehr stolzer Name, der uns zu guter Seemannschaft verpflichtet! Vorwegnehmend sei gesagt, dass sich die 8,60 m lange Yacht mit 30 qm Segelfläche bisher hervorragend bewährte. Mit ihrem großen Genuasegel läuft sie leicht und auch bei Starkwind sicher, sie lässt sich auch unter Motor gut manövrieren und ist nicht zuletzt angenehm komfortabel.

U. erfüllte ihre Patenrolle souverän und charmant und gab der Atlanta-Jolle, die wir im Herbst vom Ijsselmeer nach Bregenz geholt hatten, ihre besten Wünsche und den Namen "Fairplay" mit auf den Weg. Die große 550er-Jolle erwies sich während der Kurse wie erhofft als Bereicherung. Sie bietet reichlich Platz für die Mannschaft, was für manchen Behinderten sehr vorteilhaft ist, liegt dank ihres Kielballastes auch bei Starkwind sicher und ruhig und läuft ebenso schön bei leichtem Wind. Der Name "Fairplay" spricht für sich selbst: so miteinander umgehen, dass es keine Verlierer gibt, sondern jede Seite ihren Gewinn hat. (Scherzhaft sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass es sich bei unserem Vereinszeichen wirklich um einen behinderten und einen nichtbehinderten Steuermann handelt, die sich ergänzen, und nicht um zwei Blinde, die sich um das Steuerrad balgen.)

Bericht aus Bregenz

Otto schreibt: Wie jedes Jahr möchte ich Euch einen Überblick über die Freizeiten der Schiffer-Gilde geben. Zu Beginn danke ich allen Bootsführern und Helfern, durch deren Einsatz unsere Freizeiten erst möglich werden. Ich bin dankbar, immer wieder auf einen Stamm von erfahrenen Skippern zurückgreifen zu können. Es kommen aber auch jedes Jahr wieder neue Gesichter dazu. In diesem Jahr besonders viele, worüber ich mich sehr gefreut habe.

Im Mai konnte unsere neue Yacht Commodore zum ersten mal für einen Vortörn eine Woche lang von unseren Segelfreunden M. M. und Frau eingesetzt werden. Sie waren wie alle späteren Benutzer vom Schiff begeistert. Der 2. Vortörn musste kurzfristig wegen der Verhinderung eines Crewmitgliedes abgesagt werden. Der Kutter wurde wie schon in den letzten Jahren von den Weissenauern für einen Kurztörn gechartert. W. G. von den Rummelsburger Anstalten der Inneren Mission veranstaltete wieder eine 14-tägige Freizeit und seine Crew war vom Segelrevier Bodensee beeindruckt. Leider musste uns das Stephanus-Werk Isny, das im 1. Kurs kommen wollte, kurzfristig absagen, aber wir bleiben in Verbindung, und vielleicht klappt es 2001.

Im 2.Kurs war das Wetter nicht so, wie man es sich wünscht. Wir haben aber doch ein sehr abwechslungsreiches Programm erlebt. Für eine unfreiwillige Abwechslung sorgte unser Freund W. G., dessen Anhänglichkeit an den Schwertkasten einen Krankenhausbesuch notwendig machte - Gott sei Dank ohne schlimme Folgen.

Der 3.Kurs hatte sehr schöne Segeltage. Ein Höhepunkt war der Besuch der Generalprobe der Bregenzer Festspiele. Es wurde "Ein Maskenball" aufgeführt. In diesem Kurs gaben J. I. und A. E. ihre Hochzeitspläne bekannt: Sie wollen nächstes Jahr in Wasserburg auf dem Kutter heiraten.

Zwischen dem 3. und 4. Kurs fand die Taufe unserer neuen Schiffe statt. K. L. und U. V. erwiesen sich als würdige Taufpaten. Es war eine Feier, die allen unvergesslich bleiben wird!

Die Teilnehmer des 4.Kurses konnten mit dem Wetter zufrieden sein: Es gab sehr schöne Segeltage und es war wärmer als in den Kursen zuvor. Der Sohn Reinhart Auels vermittelte uns einen Gast aus Nepal: G. studiert in Marburg Medizin und war bei uns, um seine Deutschkenntnisse zu verbessern. Seine freundliche Art hat ihn allseits beliebt gemacht.

Der 5. Kurs war auch in diesem Jahr am stärksten besucht. Mit zeitweise 34 Teilnehmern kamen wir an die Kapazitätsgrenze. Wir fieberten alle der Nachtfahrt entgegen, für die eine "Vereins-Regatta" angesagt war. Sch. T. mit ausgezeichneter Mannschaft lief auf der Commodore sehr viel früher ein als die anderen Boote. Unser Freund C. Z. büßte seinen Wasserüberfall auf den Kutter nach einer Halse mit einem Bad im Bodensee. Er wurde aber so schnell wieder an Bord gezogen, dass er kaum Gelegenheit hatte, nass zu werden.

Der Kurs 6 begann mit einem wunderschönen Feuerwerk in der Bregenzer Bucht. Dies wurde aber von einer phantastischen Sturmfahrt von Lindau nach Bregenz übertroffen (keine 30 Minuten!). Der 6. Kurs war sehr klein und bot von daher ein sehr intensives Gruppenerlebnis.

Danach fanden die drei Nachtörns auf der Commodore statt, die mit 3 bis 5 Mann gut belegt waren. Es waren schöne Segeltage. In der letzten Septemberwoche war es meist bis mittags nebelig, sodass wir die Nachtörns nächstes Jahr um eine Woche vorziehen werden. Das Wetter war aber so ungewöhnlich mild, dass sich wunderschöne Nebelfahrten ergaben und eine Föhnsturm-Fahrt, die die Mannschaft nicht so schnell vergessen wird. Ab Mitte September teilt man sich den See nur noch mit den Berufsfischern (und den Fähren), und in den Häfen kommt man in den Genuss der besten Gastliegeplätze. Auch dieses Jahr ergaben sich immer wieder gute Vorort-Kontakte mit Interessenten und "Schnupper-Gästen". Es ist eine schöne Bestätigung unserer Arbeit, dass z.B. Herr und Frau E., die sich die Schiffer-Gilde unverbindlich ansehen wollten, unsere Art von Segelfreizeiten so gut fanden und sich auch so wohlfühlten, dass sie unserem Verein beitraten und wiederkommen werden.

Herzlich grüßt Euch

Euer Otto Schultheis

Statistik 2000

                                                      Vor- ges.
                 sonst.                          ges. Jahr seit
Freizeit           2000   II  III   IV    V   VI 2000 1999 1981
---------------------------------------------------------------
Blinde u. Sehbeh.     2    3   10    9    6    7   37   28  798
andere Körperbeh.     2    2    3    2    1    1   11    6  378
psych. Behinderte     -    1    1    -    6    -    8   20  296
Nichtbehinderte       7    4    2    9   12    3   37   23  571
Betreuer/Bootsf.      4    2    5    8    9    2   30   18  627
---------------------------------------------------------------
gesamt               15   12   21   28   34   13  123   95 2670

Wie die Statistik zeigt, lag die Kursbelegung in diesem Jahr im oberen Durchschnittsbereich. Die Zahl der blinden und sehbehinderten Teilnehmer stieg an, gleichzeitig aber auch die Zahl der nichtbehinderten. Es liegt also wieder eine gute Saison hinter uns. Im Rückblick kann man nur sagen: Die viele Arbeit und Mühe, die Otto und "seine" Bootsführer geleistet haben, hat sich rundherum gelohnt und vielen einen schönen Urlaub und unvergessliche Eindrücke verschafft. Das deutschlandweite Sauwetter im Juli war leider auch in Bregenz nicht abzustellen, aber im Rest der Saison war das Wetter am Bodensee im Durchschnitt besser als im Norden.

Wir sind froh, dass wir auch dieses Jahr keine größeren Unfälle oder Verletzungen hatten. Aber wir werden immer wieder daran gemahnt, dass das oberste Gebot in der Seefahrt Vorsicht heißt; sowohl was die vorbeugende Unfallverhütung betrifft als auch die Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit der Ausrüstung. (Apropos "Vorbeugen": steckt Euch grundsätzlich keine zusammengeklappten Brillen in die Brusttasche, Ihr füttert nur die Fische damit!)

Mitgliederversammlung am 29. Juli 2000 in Bregenz

Die Schiffstaufe am gleichen Tag bewirkte, dass sich die in der bisherigen Vereinsgeschichte höchste Anzahl von 57 Mitgliedern (mit zusätzlichen 18 Delegationsstimmen) zur Mitgliederversammlung einfand. Dank der konzentrierten Arbeit konnte das ganze Arbeitspensum in der vorgesehenen Zeit erledigt werden.

Einiges aus dem Vorstandsbericht: Wir trafen uns dreimal zu Vorstandssitzungen, in denen es vorrangig um die beiden neuen Schiffe, die Satzungsänderung, die Finanzen und die Planung der Schiffstaufe ging. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Clubs Behinderter und ihrer Freunde verteilt für uns unsere Programm- und Werbezettel auf den großen Behindertenmessen und Tourismusbörsen. Es zeigt sich dennoch, dass die Werbung von Mund zu Mund und vor Ort viel wichtiger ist. Hier waren Otto und W. G. die fleissigsten Werbeagenten. Die Situation der Landliegeplätze in Bregenz konnte mit zwei neuen Trailern (die Otto und B. M. selbst herstellten) gelöst werden. Die Schiffe sind so weit gut im Schuss, über die neuen Schiffe wurde bereits eingangs berichtet.

H. konnte von 5 neuen Mitgliedern berichten, so dass die Mitgliederzahl aktuell bei 188 lag.

Der Entlastung des Vorstandes folgten die Neuwahlen. Der gesamte Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt; wir danken Euch allen für diesen Vertrauensbeweis! Neugewählt wurde auch das Team der Kassenprüfer.

Die Behandlung der Satzungsänderungen ging gut über die Bühne. Die Stimmdelegation wird nicht abgeschafft. Die Satzungsänderungen müssen nun vom Amtsgericht München eingetragen werden. Gegen Ende des Jahres wird die neugefasste Satzung dann vorliegen. Wer sie gleich zugeschickt haben möchte, schicke mir bitte eine Anforderung und eine 3.-DM-Briefmarke. Die neugefasste Satzung wird auf der nächsten Mitgliederversammlung zum Mitnehmen ausgelegt.

Zum Schluss wurde die nächste Mitgliederversammlung wieder auf den Samstag zwischen 3. und 4. Kurs in Bregenz festgesetzt, das heißt auf Samstag, den 28. Juli 2001.

Herzlich begrüßen wir unsere neuen Mitglieder! Ein herzliches Danke an alle "kleinen" und "großen" Spender! Ohne Euch wäre die Arbeit unseres Vereines nicht möglich! Wir bitten Euch herzlich auch weiterhin um Euer finanzielles Engagement!

Auf Wiedersehen im Jahr 2001!

Das Jahr 2001 hält wieder jede Menge Segelspaß für Euch bereit. Die Termine findet Ihr auf der Seite Freizeiten 2001. Wir empfehlen besonders die Vor- und Nachtörns auf der Commodore all den Vereinsfreunden, die in Bregenz schon etwas Seglerleben kennengelernt haben.

Das Schiff bietet sehr bequem vier Personen und gut für bis sechs Personen Platz. Fragt Otto, wer als Skipper zur Verfügung steht, und entdeckt während einer schönen Woche Fahrtensegeln unbekannte Bodenseegewässser.

Wenn ein 14-tägiger Törn auf dem Mittelmeer oder in den Masuren etwas für Euch wäre, dann wendet Euch um Auskunft an Ralf Preß bzw. Walter Kipping oder an Otto Schultheis. Wir geben die Hoffnung auf eine Wiederbelebung der Hochseetörns nicht auf!

Nun könnt Ihr Eure Segelferien in Bregenz planen. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen! Im alten Team- und Sportsgeist grüßt Euch für den Vorstand

Euer Helmuth Scheel


Letzte Änderung: 10. Dezember 2017
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